Archive for October 26, 2020

Erfolg in der letzten Viertelstunde

Die Rapid-Viertelstunde ist seit über einem Jahrhundert die wohl markanteste Tradition rund um den SK Rapid. Seit Sonntag ist die Geschichte der erst in der letzten Viertelstunde eines Matches fixierten Siege von Rapid um ein Kapitel reicher – geschrieben von Ercan Kara in Kärnten im Spiel gegen den Wolfsberger AC!

Österreichische Bundesliga 2020/21, 5. Spieltag

Das typische Einklatschen der letzten 15 Spielminuten wird in guten wie in schlechten Zeiten zelebriert – nun in der Corona-Krise eben bei Heimspielen nur von 3000 oder ab dem nächsten Match bloß 1500 Zuschauern im Allianz-Stadion, aber ebenso auch immer von den zu Auswärtsspielen mitgereisten Rapidfans. Die „Rapid-Viertelstunde“ ist seit jeher ein fester Bestandteil der Fankultur des SK Rapid und wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Das in der 75. Minute einsetzende rhythmische Klatschen ist die Aufforderung der Fans an die Spieler, an sich zu glauben und – unabhängig vom Spielstand – noch einmal das Letzte aus sich herauszuholen.

Und tatsächlich ist es Generationen von Rapid-Spielern in der mehr als 120-jährigen Geschichte des Vereins immer wieder gelungen, Spiele trotz Rückstands in der zweiten Halbzeit noch gewinnen zu können. Bei der Auswertung von Saisonstatistiken finden sich stets zahlreiche Matches, die Rapid in der letzten Viertelstunde drehen konnte. Die Rapid-Viertelstunde ist also nicht nur ein Mythos, sondern tatsächlich die Phase des Spiels, in der die Rapid-Mannschaften über viele Jahrzehnte für den Gegner am gefährlichsten waren.

Bis heute gültig

Am Sonntag gegen den WAC war es wieder einmal soweit. Und diesmal war besonders viel Glaube an die eigene Stärke und besonders viel Anstrengung notwendig, um trotz 2:3-Rückstands doch noch drei Punkte aus Kärnten mit nach Wien nehmen und mit einem Sieg an Tabellenführer RB Salzburg dranbleiben zu können!

Rapid und der WAC hatten am Donnerstag in der Europa League gespielt: die Hütteldorfer hatten dem FC Arsenal einen tollen, kräfteraubenden Fight geliefert, am Ende aber trotz 1:0-Führung noch 1:2 verloren; die Wolfsberger hatten ZSKA Moskau ein 1:1 abgerungen. Im Spiel der Europacup-Fighter führte der SK Rapid nun zur Pause 2:0, aber dann drehten die Wolfsberger gegen zunehmend ermüdende Grün-Weiße binnen 20 Minuten das Spiel und stellten auf 3:2. Nun war der „Rapid-Geist“ gefragt und auch diese vielversprechende junge Mannschaft des Jahres 2020 weiß, dass Rapid nie aufgibt!

Ercan Kara

In Abwesenheit von Rapids gefährlichstem Stürmer Taxi Fountas, der sich gegen Arsenal verletzt hatte, war es nun Mittelstürmer Ercan Kara (24) – erst seit weniger als einem Jahr, aus der zweiten Liga gekommen, bei Rapid – der gemeinsam mit seinen Teamkollegen mit Glaube, Wille und Mut dem Kärntner Comeback trotzte und innerhalb der Rapid-Viertelstunde zuerst per Kopf auf 3:3 stellte. Und dann, nach Foul an ihm selbst, erzielte er in der Nachspielzeit den Siegestreffer zum 4:3! „Er macht es unglaublich gut, gibt nie auf, und genau das ist es, was Rapid auszeichnet”, lobte Rapid-Trainer Didi Kühbauer seinen Stürmer.

Auf der Homepage des SK Rapid wird die Geschichte der Rapid-Viertelstunde erzählt:

Uralte Tradition

Der Ursprung der Rapid-Viertelstunde geht vermutlich auf die Zeit zurück, in der Rapid auf dem Rudolfsheimer Platz spielte. Vom Platz aus konnte man die Rudolfsheimer Kirche mit zugehöriger Turmuhr sehen. Die Uhr soll eine tragende Rolle bei der Entstehung der Rapid-Viertelstunde gespielt haben – allerdings ist dies nicht zweifelsfrei gesichert, zumal die Entstehung der Tradition keinem klaren Muster folgte, sondern eher spontan zustande kam.

Der Rapid-Geist und die letzten 15 Minuten

Schon in den ersten Jahren der Klubgeschichte gab es erste sportliche Anzeichen: Zeitungsberichte beweisen, dass Rapid stets einen guten Endspurt hinlegte und zahlreiche Spiele erst in der letzten Viertelstunde entschied. Dies ist auch auf den traditionellen Kampfgeist und die konditionelle Überlegenheit Rapids zurückzuführen.

Frühe mediale Aufbereitung

Zahlreiche Zeitungsberichte bestätigen die frühe Etablierung der Rapid-Viertelstunde. So berichtete etwa das Neue Wiener Tagblatt am 9. September 1916: “Erst in der letzten Viertelstunde zeigt sich die Überlegenheit der Hütteldorfer.” Die gleiche Zeitung schreibt am 13. November 1916 über das Spiel Rapid gegen Sportclub: “Das Endergebnis von 2:0 stellten die Rapid-Spieler erst in ihrer berühmten “Viertelstunde” her.” bzw. “Erst in den letzten 15 Minuten des Wettspiels konnten die Dornbacher dem immer schärfer werdenden Tempo nicht mehr ganz folgen und mußten in dieser Zeit die zwei Treffer hinnehmen.

Die legendäre Stimmung bei Rapid

Neben der Rapid-Viertelstunde weiß das Fremdenblatt 1918 auch einige andere Details über die Atmosphäre bei Rapid-Spielen, hier anlässlich der Partie Rapid gegen Rudolfshügel: “Es war von jeher schwierig, Rapid in einem Meisterschaftsspiel auf dem eigenen Platze niederzuringen. Rapid ist eine Mannschaft, die zähe zu kämpfen versteht, die durch einen gewaltigen Anhang künstlich aufgepeitscht, fast immer in einer “berühmten Viertelstunde” den Gegner niederzurennen verstand, wobei inmitten des wüsten Lärms und der unglaublichsten Reklamationen gewöhnlich auch der Schiedsrichter um seine Ruhe gebracht wurde.

Unser Erbe

2011 wurde die Rapid-Viertelstunde für eine Aufnahme auf die nationale Liste des immateriellen UNESCO-Weltkulturerbes vorgeschlagen, letztendlich aber trotz ihrer über 100 Jahre alten Tradition nicht aufgenommen. Weitergeklatscht wird dennoch – bis in alle Ewigkeit.

WAC – Rapid 3:4 (0:2). Rapid: Strebinger – Stojkovic, Hofmann, Greiml (56. Barac) – Schick (73. Arase), Grahovac, Ritzmaier (78. Knasmüllner), D. Ljubicic, Ullmann – Kara, Kitagawa (78. Alar)

PS: Auch ein 3:3 kann ein Beispiel für die „magische Viertelstunde“ seinnicht nur bei Rapid!

Tottenham – West Ham 3:3 (3:0) https://youtu.be/urzWUoHYi7g

Rapid – Salzburg (2015) 3:3 (0:3) https://youtu.be/0AgNERy_Luw

October 26, 2020 at 9:17 am 1 comment


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