Kein Ruhmesblatt: unfreundliches Österreich
July 12, 2022 at 7:27 pm Leave a comment
Vor Kurzem haben wir uns darüber gefreut, dass Wien im Global Liveability Index 2022 den ersten Platz als „lebenswerteste Stadt der Welt“ belegt hat. Nun aber holt uns der bekannte „Wiener Grant“ wieder ein. In einer aktuellen Umfrage unter Expats wird den Österreichern in der Unterkategorie „Freundlichkeit“ ein extrem schlechtes Zeugnis ausgestellt: die Alpenrepublik belegt mit Rang 51 den vorletzten Platz vor Kuwait.

Insgesamt liegt Österreich auf Platz 24 unter 52 Ländern, die in der “Expat Insider”-Studie nach ihrer Beliebtheit beurteilt wurden. Trotz der hohen Lebensqualität fällt es internationalen Beschäftigten schwer, sich hier einzuleben. Rund die Hälfte der ausländischen Arbeitskräfte findet es ziemlich schwierig, Freundschaften vor Ort zu schließen, zitieren unter anderem der „KURIER“ und „Der Standard“ aus der Umfrage unter ausländischen Fachkräften.
41 Prozent der Befragten beschreiben die ortsansässige Bevölkerung als unfreundlich gegenüber ausländischen Mitbürgern. Das ist ein mehr als doppelt so hoher Anteil wie der weltweite Durchschnitt (18 Prozent). Darüber hinaus fällt es einem Drittel schwer, sich an die landestypische Kultur zu gewöhnen, während 28 Prozent sich in Österreich nicht willkommen fühlen – im Vergleich zu nur 16 Prozent weltweit.

Oje, das klingt gar nicht gut! Die Wahrheit über Österreich wird wohl in der Mitte zwischen dem erfreulichen ersten Platz der Bundeshauptstadt im „Liveability Index“ und dem schlechten Abschneiden in der „Expat Insider“-Studie liegen. Allzu großer Stolz über das exzellente Abschneiden bei dem vor ein paar Wochen veröffentlichten Index war also nicht angebracht, eher eine gewisse Skepsis. Nun holt uns die „Expats“-Umfrage auf den Boden der Tatsachen zurück. Wie heißt es doch so treffend im biblischen Buch der Sprüche (Spr 16,18)?
„Stolz führt zum Sturz, und Hochmut kommt vor dem Fall!“
Angesichts des gar nicht schmeichelhaften Spiegels, der uns von den Expats vorgehalten wird, sollten wir lernen, demütig und freundlich durchs Leben zu gehen, nicht hochmütig und stolz. Berücksichtigen wir doch, was uns im Buch der Sprüche eindringlich nahegelegt wird (Spr 16,24):
„Freundliche Worte sind wie Honig – süß für die Seele und gesund für den Körper.“
Und genau an der Freundlichkeit scheint es uns Österreichern zu fehlen, wenn man der Umfrage Glauben schenkt: während auch bei dieser „Expats-Studie“ Österreich beim Index zur Lebensqualität den dritten Platz schafft – gleich nach Spanien (erster Platz) und Taiwan (zweiter Platz) – vermissen die Ausländer bei uns schmerzlich das Entgegenkommen der Einheimischen. Österreich liegt in der Kategorie Sprache auf einem hinteren 38. Platz, weil Expats es schwer haben, sich hierzulande zurechtzufinden, ohne die Landessprache zu beherrschen, und auch Probleme haben, die Sprache zu lernen.
Entgegenkommen gegenüber Ausländern ist auch insoweit Mangelware, als ein Drittel der Visum-Antragsteller zu Protokoll gab, dass sie große Mühe hatten, ein Visum zu bekommen (im Vergleich zu 24 Prozent weltweit).
Überheblich sollten uns also die guten Ergebnisse für unser Land in den Unterkategorien Reisen und Verkehr (zweiter Platz weltweit), Gesundheit und Wohlbefinden (dritter Platz) sowie Umwelt und Klima (fünfter Platz) nicht machen. Vielmehr würden uns mehr Offenheit, Freundlichkeit und Großzügigkeit den Fremden gegenüber und ein bisschen Demut guttun! Und dies würde auch den Österreicher selbst glücklicher machen.
Denn wer demütig ist, der vertraut nicht nur auf sich selbst, sondern auf Gott. Und das macht langfristig glücklicher als Unfreundlichkeit und übertriebener Stolz auf sich selbst:
„Wer auf den Herrn vertraut, wird glücklich sein“ (Spr 16,20b).
Und noch ein Zitat, das uns zu denken geben sollte – diesmal nicht aus dem Buch der Sprüche, sondern vom deutschen Philosophen und Pädagogen Friedrich Herbart (1776-1841):

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