Archive for March 25, 2023
âBlowing Bubblesâ auf Ăsterreichisch
Der Freitagabend brachte zwei Premieren: das erste LĂ€nderspiel in der von Architekt Harald Fux geplanten, neu eröffneten Linzer Raiffeisen Arena auf der Gugl und die StadionauffĂŒhrung des neuen Nationalteam-Songs, in dem sich Teamchef Ralf Rangnick und seine Spieler durchaus selbstironisch von den Austropoppern Christopher Seiler und Paul Pizzera auf die Schaufel nehmen lassen. Immerhin erinnert der Refrain des Songs an die zweithöchste Niederlage in der langen Geschichte des österreichischen Nationalteams, ein 0:9 gegen Spanien, und das damals von Verteidiger Anton Pfeffer gegebene Pauseninterview.
âHoch wer maâs nimma gâwinnen, des is amoi klarâ, sagte Toni Pfeffer zur Halbzeit beim Stand von 5:0 fĂŒr Spanien. Das Spiel in Valencia am 27. MĂ€rz 1999 endete schlieĂlich 9:0. Nur gegen England hat das ĂFB-Team noch höher verloren: am 8. Juni 1908 siegten die Three Lions in Wien 11:1.

Aber auch die Journalisten bekommen im Mittelteil der Nummer ihr Fett ab, indem Rangnick, David Alaba und Conny Laimer einen legendĂ€ren Sager aus dem Interview von GĂŒnther Neukircher nach einer 0:4 Derbyniederlage des SK Sturm gegen den GAK zitieren: Mit âDes is de nĂ€chste deppate Frogâ beendete der damals sichtlich genervte Neukircher ein Interview im Februar 2005, in dem der Reporter Gerhard Krabath nach dem Schlusspfiff vom Sturm-Spieler wissen wollte, ob die Blackies Angst vor einer noch höheren Niederlage gehabt hĂ€tten und froh ĂŒber den Abpfiff gewesen seien.

Dass man in dem ĂFB-Song, der zum Beginn der am Freitag gestarteten EM-Qualifikation fĂŒr Deutschland 2024 herausgebracht wird, auf Niederlagen und die GefĂŒhle von FuĂballern in durchaus selbstironischer Weise Bezug nimmt, ist sympathisch und es lĂ€sst ĂŒber die schon etwas eigenartige Rahmenhandlung des Videos – einen Einbruch in das Wiener Praterstadion mit einem gefesselten und geknebelten Wachmann als Schlusspointe – hinwegsehen. Trotz Niederlagen den Stolz und Optimismus nicht zu verlieren, ist fĂŒr eine FuĂballnation wie Ăsterreich, deren gröĂte Erfolge Jahrzehnte zurĂŒckliegen (vierter Platz bei der WM 1934, dritter Platz bei der WM 1954 und 7. Platz mit Sieg in CĂłrdoba ĂŒber Deutschland bei der WM 1978), durchaus (ĂŒberlebens)wichtig. Und mit dem 4:1 Sieg ĂŒber Azerbaijan zum Auftakt der EM-Qualifikation am Freitag kann man auch wieder durchaus optimistisch sein und hoffen, dass das Team es zum dritten Mal in Folge schaffen kann, an einer EM-Endrunde teilzunehmen – auch wenn es zuletzt mit der WM-Qualifikation wieder nicht geklappt hat und Ăsterreich trotz durchaus guter Leistungen aus der A-Gruppe der Nations League absteigen musste.
Seine TrĂ€ume trotz Niederlagen und RĂŒckschlĂ€gen nicht aufzugeben, das ist etwas, das man im FuĂball und allgemein im Sport fĂŒrs Leben lernen kann. Nach jedem erfolglosen Wochenende gibt es bis zum Ende der Meisterschaft ein neues Spiel, in dem es wieder um drei Punkte fĂŒr den Sieg geht; nach einer Niederlage im ersten K.O. Spiel im Europacup hat man im RĂŒckspiel eine zweite Chance; und nach dem Abstieg aus einer Liga beginnt eine neue Meisterschaft, in der der Wiederaufstieg geschafft werden kann. Im Sport wie im Leben ist es wichtig, auch im Scheitern den Mut nicht zu verlieren und wieder optimistisch in die Zukunft zu blicken, die âTrotzmacht des Geistesâ (Viktor Frankl) zu aktivieren und trotz widriger UmstĂ€nde sein Schicksal in die eigene Hand zu nehmen.

Und da tut sich nun die im Titel dieses Posts angesprochene Parallele zu West Ham Unitedâs Klubhymne âIâm Forever Blowing Bubblesâ auf, denn auch dieses Lied handelt vom immer wieder benötigten Optimismus und Nichtaufgeben, auch wenn hochfliegende TrĂ€ume zerplatzen sollten wie Seifenblasen:
âIâm forever blowing bubbles, pretty bubbles in the air. They fly so high, nearly reach the sky, then like my dreams they fade and dieâ.
Es wird sogar noch ein bisschen schlimmer und resignierter in diesem seit den Zwanzigerjahren bei West Ham-Spielen gesungenen Lied: âFortunes always hiding, Iâve looked everywhereâ. Aber dann schlieĂt der Refrain mit einer optimistischen, hoffnungsvollen Note, denn es wird nicht aufgegeben, weiterhin werden die Seifenblasen fliegen und in allen Farben schillern: âIâm forever blowing bubbles, pretty bubbles in the airâ, wiederholt man hoffnungsfroh am Ende, und im FuĂballstadion wird dann noch rhythmisch geklatscht und âUnited, United, United!â gerufen.
Und es stimmt: nur gemeinsam kann ein Team etwas erreichen, aus der âTrotzmacht des Geistesâ des Einzelnen muss im Mannschaftssport ein optimistischer Teamspirit erwachsen, zu dem im Optimalfall dann noch die Anfeuerung von den RĂ€ngen das Ihre dazu beitrĂ€gt, dass nicht aufgegeben wird und eine Mannschaft ĂŒber sich hinauswachsen kann!
Bei West Ham bedarf es in dieser Saison tatsĂ€chlich noch einiger gemeinsamer Anstrengung, um den Abstieg aus der Premier League zu verhindern. Obwohl Manager David Moyes im Sommer ordentlich in die VerstĂ€rkung seines in den letzten beiden Saisonen erfolgreichen, zweimal hintereinander fĂŒr den Europacup qualifizierten Teams investiert hat, kommt West Ham in der Meisterschaft nicht vom Fleck und steckt mitten im Abstiegskampf.
DafĂŒr darf in der UEFA Europa Conference League davon getrĂ€umt werden, dass die Hammers zum ersten Mal seit den Finalspielen im FA Cup 1980 und 2006 und im Europacup 1965 und 1976 wieder in ein Finale kommen. Aktuell stehen sie im Viertelfinale, in dem es am 13. und 20. April gegen KAA Gent geht und bei einem Erfolg die Chance besteht, gegen den Sieger aus der Paarung Anderlecht / AZ Alkmaar um den Einzug ins UECL-Finale in Prag zu spielen.
Im Vorjahr schied West Ham im Halbfinale der Europa League gegen den spĂ€teren Finalsieger Eintracht Frankfurt aus, aber heuer will man die Chance auf das Finale nutzen. Optimistisch wie die Hammers-Fans sind, haben einige schon ihr Hotel in Prag fĂŒr den 7. Juni 2023 gebucht, wenn in der Eden Arena das Conference League-Finale steigt. Dieses Stadion ist die HeimstĂ€tte von SK Slavia, dem frĂŒheren Klub der West Ham-Spieler Tomas Soucek und Vladimir Coufal.
Es darf also getrĂ€umt werden: bei den Hammers von einem Ausflug in die âGoldene Stadtâ und bei der österreichischen Nationalmannschaft, dass der Titel âHoch gwinn mas (n)immaâ das Team zur EM 2024 nach Deutschland begleiten möge!
âIâm forever blowing bubbles!â

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