Archive for January 1, 2024
2024: Neues im Europacup
„Ein gutes neues Jahr!“ das wünschten und wünschen wir in den letzten Tagen des zu Ende gehenden Jahres und den ersten des beginnenden neuen, nun mit der Zahl 2024 bezeichneten.
Wie jeder Jahreswechsel bringt auch dieser verschiedenste Änderungen. Mit dem neuen Jahr tritt zum Beispiel das neue Gesetz über den österreichischen Rundfunkbeitrag in Kraft, mit dem die alte ORF-Gebühr abgeschafft und eine alle Haushalte treffende neue Rundfunkabgabe eingeführt wird. Den ORF-Beitrag muss man für jeden Hauptwohnsitz bezahlen, egal ob man ein Radio- oder Fernsehgerät besitzt. Nebenwohnsitze sind beitragsfrei.
Neu ist ab 2024 auch, dass in Österreich 75 Prozent der Kosten für den Einbau einer neuen Heizung ersetzt werden sollen – durch Bundes- und Landesförderungen soll der Umstieg von fossilen Brennstoffen auf CO2-neutrales Heizen schmackhaft gemacht werden. Ob der Anreiz durch Förderungen ausreichen wird, um den CO2-Ausstoß in Österreich entscheidend zu bändigen, bleibt abzuwarten.

Ebenso abzuwarten bleibt, wie die europäischen Fußballklubs auf das kürzlich ergangene Urteil des Europäischen Gerichtshofes im Fall „European Superleague“, C-333/21, vom 21. Dezember 2023 reagieren werden, wonach bestimmte unionsrechtliche Kautelen auch für die monopolistische UEFA und FIFA gelten.
Vorerst aber beglückt uns die UEFA mit einer tiefgreifenden Änderung des Europacup-Modus ab der im heurigen Jahr beginnenden Saison 2024/25. Die Klubs, die sich über die laufenden nationalen Meisterschaften qualifizieren, werden im Sommer und Herbst dieses Jahres nach einem neuen System spielen, wobei die Champions League von 32 auf 36 Klubs aufgestockt und die Gruppenphase mit acht Vierergruppen abgeschafft wird.
Die Änderung wurde wohl auch schon im Hinblick auf die bekannt gewordenen Pläne der zwölf reichsten europäischen Klubs beschlossen, die immer noch mehr und noch lukrativere Spiele unter einander austragen wollten und im Frühjahr 2021 bekannt gaben, eine eigene Liga anstelle der Champions League zu gründen, was FIFA und UEFA nicht dulden wollten. Als die Verbände den Teilnehmern mit dem Ausschluss aus ihren Bewerben drohten, wurde die „Super League“ schnell wieder abgesagt, hat aber ein juristisches Nachspiel. In diesem Zusammenhang erging nun kurz vor Weihnachten aufgrund des Vorabentscheidungsersuchens eines spanischen Gerichts die oben erwähnte EuGH-Entscheidung.
Was bringt der neue Europacup?
Worauf also müssen wir uns nun im europäischen Fußball einstellen? Wohl darauf, dass die „Super League“ zunächst einmal nicht kommt – zum Glück! – dass aber ab 2024 die Gruppenphase in der Champions League, Europa League und Conference League Geschichte ist und es mehr Europacup-Runden als bisher geben wird.
Anstelle der seit 1992/93 in der Champions League ausgetragenen Gruppenphase wird es eine einheitliche Tabelle mit allen 36 Klubs geben. Dieses sogenannte „Schweizer System“ bedeutet, dass die bisherige Gruppenphase mit je vier Klubs in acht Gruppen wegfällt und die Teilnehmer nun in der Vorrunde insgesamt je acht (statt bisher sechs) Partien (vier Heim- und vier Auswärtsspiele) absolvieren, die aus vier Setztöpfen ausgelost werden. Die Klubs spielen nun allerdings nicht wie bisher in einem Hin- und Rückspiel gegeneinander, sondern treffen auf acht verschiedene Klubs.
Diese Ligaphase wird bis in das folgende Jahr hinein dauern. Die letzten beiden Runden finden im Jänner statt. Aus der Gesamttabelle ergeben sich Achtelfinal- und Playoff-Teilnehmer. Die besten acht Teams sind direkt für das Achtelfinale qualifiziert; die Teams auf den Plätzen 9 – 24 spielen in acht Play-Offs im Februar um die Teilnahme an der Runde der letzten 16. Die direkt qualifizierten acht Teams treten dann zunächst auswärts gegen die Gewinner der Play-Offs an. Dieses Achtelfinale wird im März gespielt, dann folgen wie bisher im Monatsrhytmus Viertel- und Halbfinale (siehe UEFA-Terminplan). Der Turnierbaum bis zum Finale soll schon im Voraus feststehen. Durch diesen festen Turnierbaum wird die Anzahl an Auslosungen reduziert.
Es werden keine Teams mehr aus der Champions League in die Europa League absteigen, für die zwölf Klubs von Platz 25 bis 36 der Tabelle ist die Europa-Pokal-Saison nach acht Spielen beendet (so wie das jetzt für die Tabellen-Vierten aus der aktuellen Gruppenphase gilt).
Noch mehr Spiele, noch mehr Geld…
Die Champions League wird damit deutlich größer. Während die aktuelle CL-Saison aus 125 Partien besteht, soll es ab 2024 insgesamt 189 Spiele geben. Ursprünglich waren sogar 225 angedacht. Durch zwei zusätzliche Spieltage in der Liga-Phase sowie den möglichen K.O.-Playoffs, die es zuvor in der Champions League nicht gab und die ebenfalls aus zwei Spielen bestehen, kommt auf international vertretene Teams eine noch größere Belastung als bisher zu. Ersten Berechnungen zufolge sollen sich die Einnahmen der UEFA durch die Reformen von zuvor 3,6 Milliarden auf 5 Milliarden Euro erhöhen.
Zwei der vier Zusatzplätze für die Champions League werden an die Länder gehen, deren Teams in der vorherigen Europapokal-Saison am besten abgeschnitten haben. Die weiteren beiden Zusatzplätze gehen an den Drittplatzierten aus der Liga, die den fünften Platz im UEFA-Ranking belegt sowie an einen nationalen Meister über den sogenannten Quali-Modus „Meisterweg“. Dort wird die Anzahl von vier auf fünf Startplätze erhöht.
Die bisherige Europa League verändert sich 15 Jahre nach Einführung des geltenden Gruppen-Formats ebenfalls und übernimmt das geschilderte neue Format der Champions League. Die Europa League besteht in der Ligaphase aus ebenfalls acht Spieltagen (siehe Terminplan). Die Teams ab Platz 25 der Gesamttabelle werden auch hier nicht in der Conference League weiterspielen.
Auch in der Conference League, die erstmals erst 2021/22 ausgetragen wurde, wird das System – nach nur drei Saisonen – verändert. Es werden auch in der Conference League 36 Mannschaften dabei sein, es gibt allerdings nur sechs Spieltage – die Jänner-Termine von Champions und Europa League gibt es in der Conference League nicht. Die besten acht Mannschaften der Abschlusstabelle erreichen direkt das Achtelfinale. Die Teams auf den Plätzen 9 bis 24 bestreiten eine Play-off-Runde im Februar. Die Sieger dieser Duelle kommen ebenfalls ins Achtelfinale. Ab dort geht es in dem gewohnten K.O.-Format im März, April und Mai weiter.
Was bedeutet das für Österreich?
Für die österreichische Bundesliga bringt die Europacup-Reform insofern keine Änderung, als der Meister 2023/24 weiterhin einen Fixplatz in der Champions League hat. Der Cup-Sieger steigt im Playoff zur Europa League ein und hat damit ebenfalls bereits eine Teilnahme an einem Hauptbewerb in der Tasche. Der Gewinner des Bundesliga-internen Europacup-Playoffs zwischen dem Sieger der Quali-Gruppe und dem Vierten bzw. Fünften der Meistergruppe startet in Runde 2 der Qualifikation zur Conference League.
Neu ist, dass der Vizemeister künftig schon in Runde 2 statt 3 des Liga-Wegs der Champions-League-Qualifikation einsteigt und damit bei einem Ausscheiden nicht sofort in der Europa League landen würde. Stattdessen ist ein Aus nun gleichbedeutend mit der Teilnahme an Runde 3 des Liga-Wegs der Europa-League-Qualifikation. Scheitert der Vizemeister auch dort, gibt es immerhin noch die letzte Chance im Conference-League-Playoff.
Neu ist auch, dass der Liga-Dritte bzw. -Vierte künftig nicht mehr in der Qualifikation zur Conference League einsteigt, sondern in Runde 2 zu jener der Europa League. Ein Aus in dieser Runde würde den Umstieg in Runde 3 der ECL-Qualifikation bedeuten. Ein Aufstieg in Runde 3 der EL-Quali und ein dortiges Scheitern wäre immerhin noch eine Teilnahme am Conference-League-Playoff wert. Mit dem Erreichen des EL-Playoffs wäre eine Teilnahme an einer Hauptrunde bereits sicher.
Das bedeutet, dass der Liga-Dritte bzw. -Vierte künftig nur zwei von drei K.o.-Runden überstehen muss, um an einer Hauptrunde teilzunehmen. Da auch der Vize-Meister zwei Sicherheitsnetze besitzt, sollte die Chance auf vier oder mehr Gruppenphasen-Teilnehmer Österreichs trotz des Wegfalls eines Fixplatzes in der Saison 2024/25 sogar gestiegen sein, meint laola1.
Die lange Winterpause, wie die österreichische Bundesliga sie kennt, könnte mit diesem neuen Format Geschichte sein. Es wird im Dezember länger gespielt und in Champions und Europa League schon im Jänner wieder begonnen. Die Terminplanung der österreichischen Bundesliga hat darauf insofern reagiert, als die Winterpause nach Runde 16 (14./15. Dezember 2024) beginnt und am 7. Februar 2025 endet. Das Viertelfinale des ÖFB Cups wird schon am 1./2. Februar 2025 gespielt (siehe Rahmen-Terminplan). Die Winterpause wird also in Österreich kürzer, für die in den beiden höheren Europaligen engagierten Teams fällt sie praktisch weg.
Auch das aktuelle ÖFB Cup-Viertelfinale wurde übrigens schon vorverlegt: zwischen 2. und 4. Februar 2024 entscheidet sich, wer ins Halbfinale einziehen wird. Der SK Rapid hat am Sonntag, den 4. Februar, um 18:10 Uhr St. Pölten zu Gast. Grund für die Vorverlegung von Cup und Liga hat aber nichts mit dem Europacup, in dem heuer mit mehr Sturm Graz engagiert ist, zu tun. Er ist allerdings ein sehr erfreulicher: Österreichs Team qualifizierte sich für die im Juni dieses Jahres stattfindende Euro und der ÖFB möchte Teamchef Ralf Rangnick eine Woche mehr Vorbereitungszeit vor der am 11. Juni beginnenden EM gönnen und lässt die heimische Liga eine Woche früher als geplant enden.
Start im Juli 2024
Die erste und zweite Qualifikationsrunde werden im Juli gespielt, die dritte Quali-Runde und das Play-Off im August. Die für die jeweilige Europa-Liga qualifizierten Klubs starten diese Spiele dann in der Champions League Mitte September, in der Europa und Conference League erst im Oktober. Es finden grundsätzlich zwei Spiele pro Monat statt.
Spieltage für die Ligaphase und die K.O.-Phase der Champions League sind wie bisher Dienstag und Mittwoch, in der Europa League und der Conference League bleibt es beim Donnerstag.
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