Archive for October 10, 2021
Back to black… and white
Auf den Färöern spielte Österreichs Nationalteam nach langer Zeit wieder im traditionellen Schwarz-Weiß, wenn auch verkehrt herum – aber immerhin!
In schwarzen Leibchen und weißen Hosen gelang der “Pflichtsieg” im hohen Norden, wenn er auch weder vom Ergebnis (2:0) noch der Leistung her überzeugend war und die Chancen des Teams auf das Erreichen eines Play-Off-Platzes in der European Qualifier-Group – aufgrund Schottlands 3:2-Heimsieg über Israel – auch nicht verbessert hat: mit nur noch drei Spielen, davon eines auswärts gegen die ohne Punkteverlust an der Spitze der Gruppe F stehenden Dänen, wird es schwer werden, die Schotten noch von Platz 2 zu verdrängen.
Was ist los mit Türkis?
Aber zurück zu den Trikots – und zur Politik: In der vergangenen Woche führten Hausdurchsuchungen bei der türkisen Kanzlerpartei ÖVP und die schweren Anschuldigungen gegen Sebastian Kurz und seine engsten Mitarbeiter zu einer ernsten ÖVP-Vertrauens- und Koalitionskrise, weil die Grünen Kanzler Kurz nicht mehr als “fit for the job” qualifizierten. Da war es nur zu passend, dass Österreichs Nationalteam nicht mehr in den türkisen Hosen und Stutzen antrat, die jüngst das österreichische Auswärtstrikot darstellen (offiziell “schwarz und mintgrün”).

Stattdessen kombinierte man im Spiel gegen die in Weiß-Blau-Weiß auflaufenden Kicker von den sogenannten “Schafsinseln” nun schwarzes Shirt, weiße Hosen und schwarze Stutzen und Teamchef Foda nahm – wenn wohl auch nur zufällig und nicht in bewusster Zustimmung zu dem Statur zeigenden grünen Koalitionspartner – endlich auch wieder einen Rapidler in die Mannschaft: der grün-weiße Mittelstürmer Ercan Kara (Bild oben) stand zum ersten Mal in der Startelf und dankte dies mit einer glänzenden Leistung mit Assist zum 1:0 und außerdem einem Stangenschuss!
100 Jahre Black & White
Mit den neuen Team-Dressen ist man nun zumindest von der Farbkombination her wieder bei dem über hundert Jahre für die österreichische Nationalmannschaft kennzeichnenden Schwarz-Weiß: von 1902 bis zu Beginn der 2000er-Jahre spielte Österreich – ebenso wie Deutschland – in weißen Shirts und schwarzen Shorts; kombiniert mit schwarzen, gelegentlich auch weißen Stutzen.

Heimtrikot und Auswärtstrikot bis 2002 und die neue Heim- und Auswärtskombi seit 2009 (rechts unten)
Die rot-weiß-roten Farben der österreichischen Flagge waren in dieser Zeit nur jene des Auswärtstrikots (oben rechts: Österreich bei seinem größten Erfolg, dem 3:1 über Uruguay im “kleinen Finale” bei der WM 1954), bis der von 2002 bis 2005 amtierende österreichische Teamchef Hans Krankl (Bild oben links als Spieler in Weiß-Schwarz) das Auswärtstrikot zum Heimtrikot machte.
Nachdem man in der Folge dann das althergebrachte Schwarz-Weiß noch für das Auswärtstrikot verwendete, kam die Farbenlehre in den letzten Jahren schließlich völlig durcheinander: nachdem die “Schwarzen”, wie die Österreichische Volkspartei seit jeher genannt wurde, zur “neuen Volkspartei” und “Türkis” mutierte und nach vielen Jahren wieder den Kanzler stellte, zog auch Ausstatter Puma – ob bewusst oder unbewusst, wer weiß das schon – nach und verpasste dem Team die neuen türkis-schwarzen Auswärtsdressen.
Von “Türkisgate” sprach bei der EM die Frankfurter Allgemeine und brachte das neu eingeführte Türkis in Verbindung damit, dass es dieses Outfit ausgerechnet seit November 2019 gibt – nur zwei Monate, nachdem Sebastian Kurz’ Team-Türkis die Nationalratswahlen gewonnen hatte. Dass das Schwarz und “Mintgrün” die Komplementärfarben zu Rot-Weiß wären und es sich um eine bevorzugt Farbkombination des Wiener Jugendstils gehandelt habe, beteuerte dagegen der ÖFB. Außerdem würde es sich, so hieß es, auch um eine Anleihe bei den Farben der österreichischen Bergseen handeln.
Sei es, wie es sei – an diesem Wochenende, an dem auf das Türkis der “neuen ÖVP” die langen dunklen Schatten von Korruption, illegaler Finanzierung von frisierten Meinungsumfragen aus Steuergeld, schmutzigen Machenschaften bei der Übernahme der ÖVP-Obmannschaft und ordinären und respektlosen SMS fielen, ist das österreichische Team jedenfalls nicht mehr in Türkis aufgelaufen, sondern in unschuldig weißen Hosen!
Regierungskrise beendet – Vertrauenskrise bleibt
Mit Kurz’ Rücktritt am Samstag ist die Regierungskrise nun vorerst beendet, die Koalition kann mit einem neuen Bundeskanzler, Alexander Schallenberg, weitergeführt werden und wichtige Vorhaben im Parlament umsetzen – Kurz hat eine richtige Entscheidung getroffen und Staatsräson über Parteiräson gestellt, Chaos und Stillstand sind vermieden! Und ein bisschen weniger Türkis und wieder mehr anständigeres Schwarz würden der stärkeren der beiden Koalitionsparteien gut tun, um – wie der Bundespräsident zurecht sagte – das Vertrauen in die Politik zurückzugewinnen, das in den letzten Tagen wieder einmal stark erschüttert wurde.
Ob von Österreichs Teamchef Franco Foda, in den das Vertrauen ebenfalls – ob der schon seit einiger Zeit wenig berauschenden Darbietungen des Teams – erschüttert ist, dieses Vertrauen bei den österreichischen Fußballfans noch zurückgewonnen werden kann, wird sich ebenfalls erst weisen. Was wahrscheinlicher ist: dass 2022 ein Teamchef-Wechsel ins Haus steht oder Neuwahlen zum österreichischen Nationalrat? Das ist derzeit schwer zu sagen!

Schweiz – Österreich bei der WM 1954 (Österreich gewann in den traditionellen weißen Leibchen und schwarzen Hosen und Stutzen die „Hitzeschlacht von Lausanne“ 7:5)
Vielleicht sollte Franco Fodas Nationalteam es wieder mal mit weißen Leibchen und schwarzen Hosen versuchen, wie es 100 Jahre lang üblich war – Traditionen soll man schließlich hochhalten! Und “türkis” ist im Augenblick auch wirklich nicht “en vogue”. Gegen die in Rot-Weiß spielenden Dänen am kommenden Dienstag wäre das traditionelle Weiß-Schwarz jedenfalls eine durchaus passende Spielkleidung!
Der Ursprung von Schwarz-Weiß
Warum aber eigentlich weiße Leibchen und schwarze Hosen? Laut Wikipedia gehen diese Farben auf die Kreuzzüge im 12. Jahrhundert zurück: Während der Belagerung von Akkon (1191) wurde vor der Stadt aus humanitären Gründen von angereisten Kaufleuten aus Bremen und Lübeck ein Feldspital errichtet. Aus dieser Hospitaliter-Gemeinschaft entstanden die Deutschordensritter, die ab 1805 meist ihren Hauptsitz in Wien hatten. Die Farben des Deutschen Ordens sind Schwarz und Weiß. Während der Koalitionskriege gegen Napoleon (1807–1815) wurden die schwarz-weißen Farben des Deutschen Ordens und Preußens von der Turnbewegung für ihre Turnbekleidung übernommen – in der Volksschule hatten wir übrigens auch noch weiße Turnleibchen und schwarze Turnhosen zu tragen. Diese Kombination übernahm in späterer Folge sowohl die deutsche als auch die österreichische Fußballnationalmannschaft.
Auch die Farben der österreichischen Flagge und der 100 Jahre lang verwendeten Auswärtsdressen bzw. Heimdressen der letzten 20 Jahre haben ihren Ursprung in der Belagerung von Akkon: Der Legende nach soll Leopold V. von Österreich einen weißen Waffenrock getragen haben. Nach einer der vielen Schlachten soll er vollgespritzt von Blut gewesen sein. Als er seinen breiten Gürtel abnahm, war ein weißer Streifen auf dem blutroten Gewand zu sehen. Da sein Banner (vermutlich ein schwarzer Panther auf weißem Grund) während der Schlacht verloren gegangen war, erlaubte ihm der Kaiser fortan, die Farben rot-weiß-rot als neues Banner zu tragen.
Gegen Dänemark am Dienstag wird das auch eine schwere Schlacht in fremden Landen für die Österreicher. Ob die bisher so starken Dänen gerade gegen Fodas Mannen erstmals Punkte abgeben? Fast ebenso spannend ist aber die Frage, in welchen Dressen das ÖFB-Team auflaufen wird. Ich tippe auf ganz in “Black” und null Punkte.
Aber ich muss zugeben, meine Tipps haben schon öfters nicht zugetroffen…

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