Archive for June 26, 2023

Was ist los mit Rapid?

Vor ein paar Wochen bei einem Treffen des „Klubs der Freunde des S.C. Rapid“ sagte Rapid-PrĂ€sident Alexander Wrabetz: „Es ist unsere Aufgabe, eine AufwĂ€rtsspirale in Gang zu setzen. Wir werden vieles besser machen, um euch nicht zu enttĂ€uschen.“ Nun aber ĂŒberraschte Cheftrainer Zoki Barisic mit folgender Aussage: „Wir wollen unter die ersten Sechs, im Cup so weit wie möglich kommen und im Europacup die nĂ€chste Runde erreichen.”

Selten wurde ein erfreuliches Ereignis beim SK Rapid so „ver-coacht“ wie die Eröffnung des neuen Trainingszentrums am Sonntag. Da schaffte Rapid mit dem Trainingszentrum im Prater einen Meilenstein in der Klubgeschichte. Und dann nannte der Chefcoach anlĂ€sslich des Trainingsstarts Ziele fĂŒr die neue Saison, die hinter dem zurĂŒckbleiben, was man in der letzten Saison erreicht hat. „Statt einer Kampfansage in Richtung Sturm und LASK misst man sich lieber mit Klagenfurt, WAC & Co. [im Kampf um Platz 4-6]“, wunderte sich 90minuten.at: „Wo ist nur der Anspruch von Rapid geblieben?”

Vor ein paar Wochen hieß es noch: „Die Mannschaft wird im September besser sein“ (Wrabetz).

VizeprĂ€sidentin Edeltraud Hanappi-Egger und PrĂ€sident Alexander Wrabetz beim „Klub der Freunde“ im Mai 2023

Nun aber stapelt man tief. Auch Sportdirektor Mecki Katzer, von dem der interimistische kaufmĂ€nnische GeschĂ€ftsfĂŒhrer Werner Kuhn sagte, dass dieser Ă€hnlich wie Ali Hörtnagl und Peter Schöttel an seine Aufgabe herangehe (diese beiden formten immerhin die Meistermannschaften 2004/05 und 2007/08), will den Ball flach halten:

„Es bringt nichts, wenn man sagt, wir wollen nĂ€chstes Jahr Meister werden oder greifen den dritten Platz an. Wir wollen die LĂŒcke zu den vorderen Clubs schließen.”

Rapid landete in der Vorsaison hinter Red Bull Salzburg, Sturm Graz und dem LASK an der vierten Stelle. Statt “Wir sind Rapid, und wer seid ihr?” heißt es nun offenbar: „Wir sind Rapid – wir bleiben auf Vier
 vielleicht wird’s aber auch 5 oder 6.“

Welches Signal sendet man da an die Fans und an die Spieler vor der neuen Saison?

Immerhin machte Barisic auch folgende AnkĂŒndigung: er sprach von der „hĂ€rtesten Vorbereitung aller Zeiten“. Aber wenn die Ambition fehlt, sind die Spieler dann motiviert, sich zu quĂ€len?

Nochmals zurĂŒck zum Fanklubtreffen vor zwei Monaten: Wie sagte PrĂ€sident Wrabetz dort so zutreffend? „Ein Klub, der Vierter oder FĂŒnfter in der Bundesliga ist, ist fĂŒr junge Spieler nicht sehr attraktiv”. Aber man werde sehen, dass es eine positive Entwicklung geben wird. Im September hieß es, werde die Mannschaft besser sein als zuletzt.

Wenn man nun Katzer und Barisic hört, fragt man sich, ob das nur leere Worte waren. Haben sich bei den finanziellen Rahmenbedingungen Erwartungen oder Hoffnungen bereits wieder zerschlagen? Rapid hat laut 90minuten.at seit Jahren den zweitmeisten Umsatz in der Admiral Bundesliga zu verzeichnen, trotzdem fehlt es offenbar am Geld und Michael Tojners und Wrabetz‘ Ideen (zB jene, eine Beteiligungsmöglichkeit beim „Mitgliederklub“ Rapid zu schaffen), stoßen beim „Block West“ nicht auf Gegenliebe (Bild).

Spruchband im „Block West“: „100% fĂŒr‘n O
“

Oder hat bloß der neue kaufmĂ€nnische GeschĂ€ftsfĂŒhrer Markus Knipping, der mit der Erfahrung von 25 Jahren bei Borussia Dortmund nach HĂŒtteldorf gekommen ist und den Wrabetz als „Wunderwuzi“ pries, ob des Vergleichs des „SCR“ mit Borussia schon Depressionen bekommen und damit seine Kollegen im Vorstand angesteckt?

Steffen Hofmann legte jedenfalls mittlerweile sein Amt im PrĂ€sidium, das er seit der Wahl des neuen PrĂ€sidiums innehatte, wieder zurĂŒck, was auch eine etwas eigenartige Optik macht. Das Argument, nun sei die GeschĂ€ftsfĂŒhrung wieder vollstĂ€ndig besetzt, stimmt zwar, weil nun Knipping die „GeschĂ€ftsfĂŒhrung Wirtschaft“ von Kuhn, der die Position interimistisch inne hatte, ĂŒbernommen hat, die kaufmĂ€nnische GeschĂ€ftsfĂŒhrung war aber ohnehin nie Hofmanns Aufgabe.

Drei Spieler wurden bisher geholt: die ablösefreien Fally Mayulu von Blau Weiß Linz und Dennis Kaygin vom U19-Team der Mainzer sowie Nenad Cvetkovic um kolportierte 700.000 Euro von FC Ashdod aus Israel. Ein weiterer Neuzugang dĂŒrfte in den kommenden Tagen verkĂŒndet werden, schreibt SKY Sport, ob es sich dabei um Stefan Schwab handelt, habe Katzer offengelassen. Schließlich wird es nicht der Ex-Rapidler, der wohl in Griechenland bei PAOK Saloniki bleiben muss, solange der EigentĂŒmer des Klubs, Ivan Savvidis, mit EU-Sanktionen wegen seiner russischen StaatsbĂŒrgerschaft belegt und PAOK damit zu einer ungewollten “Transfersperre” verdammt ist, sondern es wurde Spielmacher Matthias Seidl (22) von Aufsteiger BW Linz prĂ€sentiert (Bild).

Allzu viele neue Profis sind bei den HĂŒtteldorfern – die am Wochenende auch das neue „Nadelstreif“-Heimtrikot vorstellten- allerdings nicht zu erwarten. „Ich habe Rahmenbedingungen, in denen ich mich bewegen kann“, meinte der Sportchef und gestand: „Vor ein paar Monaten bin ich noch davon ausgegangen, dass die Rahmenbedingungen anders sind. Aber ich habe kein Problem damit.“

Ein Problem mit dieser Tiefstapelei dĂŒrften allerdings die grĂŒn-weißen Fans haben. Es regt sich Unmut ob der Aussagen von Barisic und Katzer in den sozialen Netzwerken. Man kann nur hoffen, dass die gesuchten neuen Sponsoren und Geldgeber gefunden werden und keiner von ihnen „kalte FĂŒĂŸe“ bekommt. Im Fußball geht es um Emotion und „Momentum“ – und Letzteres ist nach dem emotional verunglĂŒckten Trainingsstart in HĂŒtteldorf gerade nicht zu spĂŒren.

Nun mĂŒsste sich PrĂ€sident Wrabetz zu Wort melden und uns HĂŒtteldorfer aus diesem momentanen „HĂŒttel-Tief“ wieder herausholen. Die von ihm versprochene „AufwĂ€rtsspirale“ setzt man so jedenfalls nicht in Gang!

Im nĂ€chsten Jahr feiert der SK Rapid sein 125-jĂ€hriges Bestehen. Um kein „trauriges JubilĂ€um“ zu begehen, muss man sich – bei allen Schwierigkeiten, die es sicher gibt – der RealitĂ€t mit etwas mehr Kampfgeist, Phantasie und Optimismus stellen, als das die Herren Barisic und Katzer am Wochenende getan haben. Wenn sich die Stimmung nicht dreht, wird das eine mĂŒhsame Saison und nĂ€chstes Jahr gibt’s nichts zu feiern!

Unser Bundesliga-TorschĂŒtzenkönig Guido Burgstaller (21 Tore) im neuen Heimtrikot 2023/24

Das am Sonntag prĂ€sentierte neue grĂŒne „Nadelstreif-Trikot“ des SK Rapid erinnert an jenes vor 12 Jahren (2011/12), was hoffentlich kein schlechtes Omen ist: Das war die erste Saison „post-Pacult“ und man spielte damals nicht im Europacup


Jedoch schafften die GrĂŒn-Weißen es dann in dieser Saison im „Nadelstreif“ auf Platz 2 und sie spielten 2012/13 in der selben „WĂ€sch’“ wieder in der Europa League-Gruppenphase, fĂŒr die die Qualifikation im August 2012 gegen PAOK Saloniki gelang: nach einer 1:2-AuswĂ€rtsniederlage gewann man das Play-Off-RĂŒckspiel im St. Hanappi mit einem begeisternden 3:0 (Tore: Alar, Boyd, Hofmann). Damals musste man offenbar noch nicht jedes Jahr mit einem neuen Trikot „ab-cashen“


Naja, bis zum Saisonstart sind es ja noch ein paar Wochen – mit einem tollen Vorbereitungsspiel beim 1. FC Union Berlin am 19. Juli, wo Ex-Rapidler Christopher Trimmel (36) KapitĂ€n des Champions League-Starters ist! So einen weiteren Leader zusĂ€tzlich zu Burgstaller könnten wir brauchen! Hoffen wir, dass sich die Stimmung noch dreht bis zum Bundesliga-Start am 28. Juli. Eine Woche davor steigt die erste ÖFB Cup-Runde, in der der SK Rapid gegen Donaufeld ausgelost wurde. Die dritte Qualifikationsrunde fĂŒr die Conference League wird am 10./17. August gespielt (Auslosung am 24. Juli).

„Was ist los mit Rapid?“ könnte man dann vielleicht schon mit einem positiven Unterton fragen, denn es könnte ja durchaus sein, dass die HĂŒtteldorfer in den ersten Spielen angenehm ĂŒberraschen, nachdem man nun schon so vorsichtig war, uns nicht zuviel versprechen zu wollen


Dennoch: Wo bleibt der Anspruch von Rapid? West Ham’s Manager David Moyes (oben) hat dagegen nach dem Semifinal-Aus in der Europa League im Vorjahr fĂŒr die letzte Saison von Anfang an das Ziel ausgegeben, diesmal die Conference League zu gewinnen!
Das hat mir gefallen! Und die Rechnung ist aufgegangen.

„Kleine Brötchen backen“ und das nach eineinhalb Jahrzehnten, die die GrĂŒn-Weißen nun schon ohne Titel geblieben sind, das wird dagegen schön langsam langweilig


June 26, 2023 at 6:11 pm 1 comment


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