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Was ist los mit Rapid?
Vor ein paar Wochen bei einem Treffen des âKlubs der Freunde des S.C. Rapidâ sagte Rapid-PrĂ€sident Alexander Wrabetz: âEs ist unsere Aufgabe, eine AufwĂ€rtsspirale in Gang zu setzen. Wir werden vieles besser machen, um euch nicht zu enttĂ€uschen.â Nun aber ĂŒberraschte Cheftrainer Zoki Barisic mit folgender Aussage: âWir wollen unter die ersten Sechs, im Cup so weit wie möglich kommen und im Europacup die nĂ€chste Runde erreichen.”
Selten wurde ein erfreuliches Ereignis beim SK Rapid so âver-coachtâ wie die Eröffnung des neuen Trainingszentrums am Sonntag. Da schaffte Rapid mit dem Trainingszentrum im Prater einen Meilenstein in der Klubgeschichte. Und dann nannte der Chefcoach anlĂ€sslich des Trainingsstarts Ziele fĂŒr die neue Saison, die hinter dem zurĂŒckbleiben, was man in der letzten Saison erreicht hat. âStatt einer Kampfansage in Richtung Sturm und LASK misst man sich lieber mit Klagenfurt, WAC & Co. [im Kampf um Platz 4-6]â, wunderte sich 90minuten.at: âWo ist nur der Anspruch von Rapid geblieben?â
Vor ein paar Wochen hieĂ es noch: âDie Mannschaft wird im September besser seinâ (Wrabetz).

Nun aber stapelt man tief. Auch Sportdirektor Mecki Katzer, von dem der interimistische kaufmĂ€nnische GeschĂ€ftsfĂŒhrer Werner Kuhn sagte, dass dieser Ă€hnlich wie Ali Hörtnagl und Peter Schöttel an seine Aufgabe herangehe (diese beiden formten immerhin die Meistermannschaften 2004/05 und 2007/08), will den Ball flach halten:
âEs bringt nichts, wenn man sagt, wir wollen nĂ€chstes Jahr Meister werden oder greifen den dritten Platz an. Wir wollen die LĂŒcke zu den vorderen Clubs schlieĂen.â
Rapid landete in der Vorsaison hinter Red Bull Salzburg, Sturm Graz und dem LASK an der vierten Stelle. Statt âWir sind Rapid, und wer seid ihr?â heiĂt es nun offenbar: âWir sind Rapid – wir bleiben auf Vier⊠vielleicht wirdâs aber auch 5 oder 6.â
Welches Signal sendet man da an die Fans und an die Spieler vor der neuen Saison?
Immerhin machte Barisic auch folgende AnkĂŒndigung: er sprach von der âhĂ€rtesten Vorbereitung aller Zeitenâ. Aber wenn die Ambition fehlt, sind die Spieler dann motiviert, sich zu quĂ€len?

Nochmals zurĂŒck zum Fanklubtreffen vor zwei Monaten: Wie sagte PrĂ€sident Wrabetz dort so zutreffend? âEin Klub, der Vierter oder FĂŒnfter in der Bundesliga ist, ist fĂŒr junge Spieler nicht sehr attraktivâ. Aber man werde sehen, dass es eine positive Entwicklung geben wird. Im September hieĂ es, werde die Mannschaft besser sein als zuletzt.
Wenn man nun Katzer und Barisic hört, fragt man sich, ob das nur leere Worte waren. Haben sich bei den finanziellen Rahmenbedingungen Erwartungen oder Hoffnungen bereits wieder zerschlagen? Rapid hat laut 90minuten.at seit Jahren den zweitmeisten Umsatz in der Admiral Bundesliga zu verzeichnen, trotzdem fehlt es offenbar am Geld und Michael Tojners und Wrabetzâ Ideen (zB jene, eine Beteiligungsmöglichkeit beim âMitgliederklubâ Rapid zu schaffen), stoĂen beim âBlock Westâ nicht auf Gegenliebe (Bild).

Oder hat bloĂ der neue kaufmĂ€nnische GeschĂ€ftsfĂŒhrer Markus Knipping, der mit der Erfahrung von 25 Jahren bei Borussia Dortmund nach HĂŒtteldorf gekommen ist und den Wrabetz als âWunderwuziâ pries, ob des Vergleichs des âSCRâ mit Borussia schon Depressionen bekommen und damit seine Kollegen im Vorstand angesteckt?
Steffen Hofmann legte jedenfalls mittlerweile sein Amt im PrĂ€sidium, das er seit der Wahl des neuen PrĂ€sidiums innehatte, wieder zurĂŒck, was auch eine etwas eigenartige Optik macht. Das Argument, nun sei die GeschĂ€ftsfĂŒhrung wieder vollstĂ€ndig besetzt, stimmt zwar, weil nun Knipping die âGeschĂ€ftsfĂŒhrung Wirtschaftâ von Kuhn, der die Position interimistisch inne hatte, ĂŒbernommen hat, die kaufmĂ€nnische GeschĂ€ftsfĂŒhrung war aber ohnehin nie Hofmanns Aufgabe.
Drei Spieler wurden bisher geholt: die ablösefreien Fally Mayulu von Blau WeiĂ Linz und Dennis Kaygin vom U19-Team der Mainzer sowie Nenad Cvetkovic um kolportierte 700.000 Euro von FC Ashdod aus Israel. Ein weiterer Neuzugang dĂŒrfte in den kommenden Tagen verkĂŒndet werden, schreibt SKY Sport, ob es sich dabei um Stefan Schwab handelt, habe Katzer offengelassen. SchlieĂlich wird es nicht der Ex-Rapidler, der wohl in Griechenland bei PAOK Saloniki bleiben muss, solange der EigentĂŒmer des Klubs, Ivan Savvidis, mit EU-Sanktionen wegen seiner russischen StaatsbĂŒrgerschaft belegt und PAOK damit zu einer ungewollten “Transfersperre” verdammt ist, sondern es wurde Spielmacher Matthias Seidl (22) von Aufsteiger BW Linz prĂ€sentiert (Bild).

Allzu viele neue Profis sind bei den HĂŒtteldorfern – die am Wochenende auch das neue âNadelstreifâ-Heimtrikot vorstellten- allerdings nicht zu erwarten. âIch habe Rahmenbedingungen, in denen ich mich bewegen kannâ, meinte der Sportchef und gestand: âVor ein paar Monaten bin ich noch davon ausgegangen, dass die Rahmenbedingungen anders sind. Aber ich habe kein Problem damit.â
Ein Problem mit dieser Tiefstapelei dĂŒrften allerdings die grĂŒn-weiĂen Fans haben. Es regt sich Unmut ob der Aussagen von Barisic und Katzer in den sozialen Netzwerken. Man kann nur hoffen, dass die gesuchten neuen Sponsoren und Geldgeber gefunden werden und keiner von ihnen âkalte FĂŒĂeâ bekommt. Im FuĂball geht es um Emotion und âMomentumâ – und Letzteres ist nach dem emotional verunglĂŒckten Trainingsstart in HĂŒtteldorf gerade nicht zu spĂŒren.
Nun mĂŒsste sich PrĂ€sident Wrabetz zu Wort melden und uns HĂŒtteldorfer aus diesem momentanen âHĂŒttel-Tiefâ wieder herausholen. Die von ihm versprochene âAufwĂ€rtsspiraleâ setzt man so jedenfalls nicht in Gang!
Im nĂ€chsten Jahr feiert der SK Rapid sein 125-jĂ€hriges Bestehen. Um kein âtrauriges JubilĂ€umâ zu begehen, muss man sich – bei allen Schwierigkeiten, die es sicher gibt – der RealitĂ€t mit etwas mehr Kampfgeist, Phantasie und Optimismus stellen, als das die Herren Barisic und Katzer am Wochenende getan haben. Wenn sich die Stimmung nicht dreht, wird das eine mĂŒhsame Saison und nĂ€chstes Jahr gibtâs nichts zu feiern!

Das am Sonntag prĂ€sentierte neue grĂŒne âNadelstreif-Trikotâ des SK Rapid erinnert an jenes vor 12 Jahren (2011/12), was hoffentlich kein schlechtes Omen ist: Das war die erste Saison âpost-Pacultâ und man spielte damals nicht im EuropacupâŠ
Jedoch schafften die GrĂŒn-WeiĂen es dann in dieser Saison im âNadelstreifâ auf Platz 2 und sie spielten 2012/13 in der selben âWĂ€schââ wieder in der Europa League-Gruppenphase, fĂŒr die die Qualifikation im August 2012 gegen PAOK Saloniki gelang: nach einer 1:2-AuswĂ€rtsniederlage gewann man das Play-Off-RĂŒckspiel im St. Hanappi mit einem begeisternden 3:0 (Tore: Alar, Boyd, Hofmann). Damals musste man offenbar noch nicht jedes Jahr mit einem neuen Trikot âab-cashenââŠ
Naja, bis zum Saisonstart sind es ja noch ein paar Wochen – mit einem tollen Vorbereitungsspiel beim 1. FC Union Berlin am 19. Juli, wo Ex-Rapidler Christopher Trimmel (36) KapitĂ€n des Champions League-Starters ist! So einen weiteren Leader zusĂ€tzlich zu Burgstaller könnten wir brauchen! Hoffen wir, dass sich die Stimmung noch dreht bis zum Bundesliga-Start am 28. Juli. Eine Woche davor steigt die erste ĂFB Cup-Runde, in der der SK Rapid gegen Donaufeld ausgelost wurde. Die dritte Qualifikationsrunde fĂŒr die Conference League wird am 10./17. August gespielt (Auslosung am 24. Juli).
âWas ist los mit Rapid?â könnte man dann vielleicht schon mit einem positiven Unterton fragen, denn es könnte ja durchaus sein, dass die HĂŒtteldorfer in den ersten Spielen angenehm ĂŒberraschen, nachdem man nun schon so vorsichtig war, uns nicht zuviel versprechen zu wollenâŠ

Dennoch: Wo bleibt der Anspruch von Rapid? West Hamâs Manager David Moyes (oben) hat dagegen nach dem Semifinal-Aus in der Europa League im Vorjahr fĂŒr die letzte Saison von Anfang an das Ziel ausgegeben, diesmal die Conference League zu gewinnen!
Das hat mir gefallen! Und die Rechnung ist aufgegangen.
âKleine Brötchen backenâ und das nach eineinhalb Jahrzehnten, die die GrĂŒn-WeiĂen nun schon ohne Titel geblieben sind, das wird dagegen schön langsam langweiligâŠ
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